Responsibility to Protect

Grausame Szenen – verstörende Bilder – provinzielle Barbarei…

Was ist passiert? – Ich bin auf hierauf gestoßen… TV-Radio-Grimmen

Mein Appell an die Weltgemeinschaft: Intervention! Blauhelme nach Vorpommern!
Und sollte es nicht für ein UN-Mandat reichen, rufe ich eine Koalition der Willigen zum Eingreifen auf – nie wieder Appeasement!

Das Grauen vermag ich nicht in Worte zu fassen, aber es gibt einen You-Tube-Kanal, der für sich spricht.

Für die, die noch Beweise brauchen, gibt es das folgende Video. Ich lege derweil auf dem Marktplatz große Laken aus. Aufschrift: „Bomber Harris, please help!“

Advertisements

6 aus 49 – 8. aus 32 ;)

„Kontraste machen Menschen“ ist ja so ein Motto dieses kleinen Blog-Projekts. Und wo Stralsund für den geneigten Szene-Großstädter sonst vielleicht nicht des Wochenendes erste Wahl ist, so sehr lockte es mich nun bereits am Freitag dahin. Denn eine Woche Provinz-Alltag trieb mich unweigerlich zu Fluchtgedanken.
Doch das Auskotzen über die Provinz mag ein anderes mal stattfinden. Viel lieber freue ich mich an dieser Stelle über den „Ruck“, der durch Stralsund geht. Verantwortliche dafür sind die kuhlen Menschen beim Ajuku e.V.. Sie versuchen in der Stadt am Sund ein AJZ aufzubauen, welches die ganze Region sicherlich dringend nötig hat. Und weil die Genoss_innen dafür auch noch etwas Kohle brauchen, versuchten wir uns am Freitagabend sowohl an ein paar Bier als auch an einem Lotto-Schein.

Mein eigentlicher Grund zum Besuch im „San Francisco des Ostens“ war dann aber schließlich das Antira-Fuszballturnier im Rahmen der Rock gegen Rechts-Aktionstage. Strahlender Sonnenschein versprach am morgen bereits vor allem drei Dinge: Schweiß, Sonnenbrand und Schnabulieren 🙂
Unter dieser Devise unterstützte ich dann mit all meinem sportlichen (Un-)Vermögen die Genoss_innen des Teams Schwarz-Rot Ribnitz Damgarten. Es blieb leider beim Vorrundenaus in unserer sportlich starken Gruppe. Am Ende stand für uns der achte Platz zu Buche. Besonders überzeugte mich das Team der Refugees aus Anklam, die spielerisch auf einem Niveau auftraten, das sich auch jenseits von Freizeitturnieren hätte sehen lassen können. Wie es dennoch dazu kam, dass sie im Halbfinale ausgeschieden sind, ist mir weiterhin nicht ganz klar.
Apropos nicht ganz klar: Der sportliche Teil des Tages war gelaufen, der Spasz am Spielfeldrand konnte beginnen. Ein paar Bier, Pfeffi und etwas spasziges Gekräut rundeten so den Sonnentag ab. Einige „sogenannte Fans“ untermalten das Turnier auch noch mit einigen optischen Stilmitteln, sodass es nicht allein bei einer antirassistischen Bannersammlung blieb.
Mein Dank gilt an dieser Stelle den Menschen, die das Turnier auf die Beine gestellt haben. Dass dabei die Refugees aus Stralsund und Anklam die Möglichkeit hatten den Lageralltag zu vergessen und zeitweilig aus der Isolation auszubrechen, zählt dabei auch noch mehr als das kleine Privatvergnügen meiner Wenigkeit.

Da ich mich selbst doch eher öfter vor Bücherregalen als vor Fuszballtoren auffinde, brannte am Abend der Muskelkater in meinen Beinen. Mittlerweile wieder in der Provinz angekommen, versank ich für den Abend auch erschöpft im Bett. Jedoch nicht ohne zuvor die Lottozahlen zu checken. Leider ohne Erfolg – der Millionensegen für den Ajuku e.V. muss noch etwas warten 😉
Aber warum auch auf das zufällige Glück vertrauen – das Wochenende machte wieder klar, dass es in Stralsund Leute gibt, die ihr Glück lieber selbst in die Hand nehmen. Leute, die Stralsund und das Umland nicht den Nazis überlassen und ihnen ein AJZ gegenüberstellen wollen. Ihr Ziel ist es jungen Menschen etwas Besseres anzubieten als die dumpfe Volksgemeinschaft oder die Unzumutbarkeiten der Dorfdiskotheken. Mit ihnen kann ich mich nur solidarisch erklären.

Stralsund braucht ein AJZ! Es gibt kein ruhiges Hinterland!

Urkundlich festgehalten: Achter von 32… mindestens 😉
urkunde

Monsieur Lamarck vor’m Supermarkt…

19.10 Uhr vor einer örtlichen Verkaufsstelle:

„…früher haste das alles nich gebraucht. Hier mit ihren Frischhaltemittel. Sogar Antibiotika sowas. Sei ma ehrlich: Haste das je erlebt, dass Wurst schlecht geworden is? Das ging gar nicht! Das haste nicht einmal gehabt, dass da Wurst ausm Konsum schlecht geworden ist. Weil: Das ging auch gar nicht! Die Wurst konnte gar nicht schlecht werden, bevor die mit den Frischhaltemittel kamen. Die konnteste Tage liegen lassen!“

Nur die Harten komm’n in’n Garten…

oder auch:
„Im Schatten der Unvollständigkeit seiner Emanzipation muß das bürgerliche Bewußtsein fürchten, von einem fortgeschritteneren kassiert zu werden; es ahnt, daß es, weil es nicht die ganze Freiheit ist, nur deren Zerrbild hervorbringt; darum weitet es seine Autonomie theoretisch zum System aus, das zugleich seinen Zwangsmechanismen ähnelt.“
Adorno: Negative Dialektik, GS 6, S. 32.

P21-08-13_17.53

Der Igel-Mord – eine provinzielle Kriminalgeschichte

Da Belanglosigkeit unabdingbarer Teil der Provinz ist, folge ich heute auch ihren Ruf. Wer gar nicht erst bereit ist, sich ihr zu öffnen, mag sich die Lektüre sparen.

Es ist ein Mord geschehen. Ein Mord, weil ein Unfall nicht möglich scheint. Es ist der Mord an einem Igel. Überfahren lag das nun etwas geplättete Tier auf der Straße, wie sicherlich schon tausende Igel vor ihm. Allerdings lag dieser mitten auf der Straße in einer kleinbürgerlichen Einfamilienhaus-Siedlung – Spielstraße mit Schritttempo versteht sich. In einer Kurve noch dazu.

Also wie konnte es bei Schritttempo durch einen Unfall dazu kommen? Die Szenerie lässt sich am Tatort genau ausmalen: Eben noch krabbelt das Igel-Tier durch einen kleinbürgerlichen Vorgarten, um den Anwohnenden etwas Fallobst zu stibitzen und im nächsten Moment plättet das Zig-Zig-Reifenprofil eines „Mittelklassewagen“ seinen Körper. Die fahrende Person womöglich gerade erst aus einem der immergleichen Holz-Carports gefahren und in Gedanken beim Anschnallen oder Einstellen des regionalen Hit-Senders im Radio. Wenn nicht Mord, was sonst?

Was bleibt ist ein Kadaver – ja, dieser liegt aller kleinbürgerlichen „Ordnung und Sauberkeit“ der unmittelbar anliegenden Grundstücke zum Trotz nun schon seit drei Tagen dort. Am ersten Tag dominierte noch der Anblick von Blut. Am zweiten Tag kamen die Fliegen und offenbar versuchten sich Katzen oder Vögel am Aas, denn der Igel-Leib hatte sich um eins-zwei Meter „bewegt“. Am dritten Tag ist der Kadaver durchsetzt von Maden und allerlei Gewürm, zudem sind Verwesungsdämpfe in weitem Umkreis zu vernehmen. Spätestens heute kam mir deshalb schon die Vermutung, dass es sich um ein makaberes Schulexperiment handelt. „Verwesungsprozesse im ökologischen Kreislauf am Beispiel kleiner Säugetiere“ oder sowas.

Aber dann wurde es mir klar: politischer Mord!

Der Igel als animalisch revolutionäres Subjekt. Er stibitzt Fallobst aus den Gärten des Bürgertums – nimmt die radikale Umwerfung der ökonomischen Verhältnisse in die eigene triebgeleitete Pfote. Ausrottung kann für die angegriffene Bourgeoisie die einzige Lösung sein, lässt sich das Naturwesen Igel letztlich doch mit keiner kulturindustriellen Waffe unterwerfen.

Die Indizien machen klar:

Unser Genosse der Igel wurde Ziel eines politischen Mords! Die bürgerliche Gesellschaft angreifen – Menschen zu Igeln!

 

Zur illustration spare ich mir unappetitliche Kadaver-Ansichten und verbreite lieber das ebenso belanglose wie verwackelte Foto eines abendlichen Plattenbaus:
P20-08-13_21.39

Ich möchte mich Ihnen als Vasall anbieten…

„Besatzer-Vasallen“, so sprang es mich schon gestern nach Ankunft in der Provinz gleich an. In einem Graffiti-Stil, der eigentlich dem Begriff „Stil“ nicht gerecht wird, stand es in roter Farbe auf Großplakate demokratischer Parteien geschmiert. NPD-Plakate waren bislang noch nicht zu sehen. Vielleicht sparen die Hetzer und Schläger um Holger Apfel-Mus und Eiermann Pastörs sich aber auch teure Materialschlachten in der ländlichen Gegend und bekritzeln einfach nur Plakate anderer Parteien.
Widerstand von Anwohnenden oder Zivilgesellschaft (sodann es sie hier überhaupt gibt) brauchen sie ohnehin nicht befürchten. Ich wünsche mir angesichts dessen gerne ein paar Besatzer zurück und biete mich freiwillig als ihr Vasall an.
Gerne werde ich dann in Sachen Reeducation aktiv…

Dem ersten Elend zum Trotz scheint mir die Kleinstadt jedoch ein persönlicher Jungbrunnen zu sein. Ich kann mir so ziemlich sicher sein, dass ich der jüngste Mensch in der Umgebung bin, sofern ich mich nicht gerade vormittags einer Schule oder Kita nähere. So viel zum Thema „Kontraste machen Menschen“ – still ♥’ing Volkstod! 😉

Apropos alte Menschen – vielleicht lohnt auch mal wieder ein Gang zu meiner 93-jährigen Urgroßmutter, wenn ich schon hier bin. Eventuell auch die letzte Gelegenheit für ein paar Fragen hierzu: